Verstandanteportas

"Fake News" vs. "Lügenpresse" - In einem Land ohne Diskussionskultur

Im Grunde markieren die Kampfbegriffe "Fake News" und "Lügenpresse" vorerst den traurigen Höhepunkt einer Grabenschlacht, die Napoleon Bonaparte bereits vor gut 200 Jahren wie folgt umschrieb:

'Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. [...] Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.'

Zweifellos sind die gegenwärtigen Parolen andere als zu Zeiten des französischen Kaisers. Es gilt nicht mehr, deutsche Fürsten- und Königshäuser um den Preis von Landgewinnen gegeneinander auszuspielen oder auf die Glaubens- und Konfessionskarte zu setzen. - Nein, heute ist es ein Meinungskartell aus Politik und Medien, welches sich unmittelbar und in einer Endlosschleife an die Bevölkerung wendet. Etablierte Parteien, gleich ob in Regierungsverantwortung oder Opposition, sowie staatlich wie privatwirtschaftlich gelenkte Leitmedien inszenieren sich unverhohlen als Vormünder, so, als hätten sie die Oberaufsicht über ein Volk von Unmündigen.

Als alternativlos und einziger Ausdruck von Menschlichkeit und Vernunft werden allzu häufig politisch korrekte und dem kurzsichtigen Zeitgeist folgende Parolen in die Öffentlichkeit getragen und unter Missachtung von Meinungsfreiheit und Dialogbereitschaft eingefordert. Solche sind dann bestenfalls akademisch und im schlimmsten Fall rein ideologisch geprägt, haben jedoch herzlich wenig mit der Lebenswirklichkeit auf Deutschlands Straßen zu tun: Da wird geifernd der Kampf gegen Rechts beschworen und hinter jeder sich anbietenden Straftat rechtsextreme Umtriebe gewittert. Linker Terror wird hingegen ausgeblendet oder mit Nachsicht thematisiert, im Zweifel sind krankenhausreif geprügelte und genötigte Andersdenkende, brennende Fahrzeuge oder sonstige schwere Sachbeschädigung eben dem Kampf gegen Rechts geschuldet. - Auch das Thema der illegalen Migration und ihrer Folgeerscheinungen wird offensichtlich als Tabu angesehen. Anders ist es kaum zu erklären, weshalb widerrechtliche Grenzübertritte, gefälschte oder mutwillig entsorgte Personaldokumente und andere verübte Straftaten nicht entsprechend der Gesetzeslage konsequent geahndet und vom sogenannten Qualitätsjournalismus gemäß Informationsauftrag ungefiltert benannt werden. - Zu vergessen sind auch nicht all die Parolen rund um ein untadeliges Erfolgsmodell EU, eine einigende Euro-Währung, eine selbstredend vorbildliche Energiewende sowie last but not least um einen kriegs- und propagandalüsternden Zaren Putin vor den Toren Europas, dem USA, NATO und EU engelsgleich gegenüberstehen.

Das Problem an diesem Konzept ist einzig der Souverän, der unter Demokratie allem Anschein nach etwas anderes versteht, als seine Volksvertreter oder die Vierte Macht im Staat. Die Idee von einem offenen Dialog, gegenseitiger Toleranz und Meinungsfreiheit, gepaart mit der Vorstellung, dass man dem Volk sehr wohl aufs Maul zu schauen und dessen Lebenswirklichkeit Rechnung zu tragen hat, ist bei diesem Souverän noch allzu lebendig. Mag sein, dass die aktuelle sowie zukünftige Schulreformen das selbständige Denken weiter verkümmern lassen werden, ähnlich wie das Wissen um die eigenen geschichtlichen Wurzeln, doch noch ist es nicht soweit. Stupide Verbalkeulen wie "Nazi" oder "Rassist" haben sich abgenutzt. Moralisierende Fingerzeige wie die einer gesichtslosen Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten mit ihren Unworten des Jahres (2013: "Sozialtourismus" ; 2014: "Lügenpresse" ; 2015: "Gutmensch" ; 2016: "Volksverräter"), reizen lediglich den Unmut und die Ungeduld der so Gescholtenen.

Das Vertrauen der Bürgerschaft in die Meinungsmonopolisten erodiert immer weiter. Zeitungsleser und Fernsehzuschauer verweigern erdrutschartig die Nachrichten-Gefolgschaft, Wahlprognosen auf Basis persönlicher Ansprache liegen regelmäßig falsch. Und längst verlassen die Menschen den sicheren Hafen des Stammtisches und inneren Familienzirkels, um ihr Bürgerrecht auf Meinungsäußerung gemeinsam auf die Straße zu tragen bzw. sich über die sozialen Netzwerke auszutauschen.

Wo Politiker penetrant am Wahlvolk vorbei entscheiden und Medienmacher sich das Recht herausnehmen, Nachrichten nach eigenem Gusto zu inszenieren und sogar selber Politik betreiben zu wollen, da ist Ungemach vorprogrammiert, spätestens sobald die unmündig Gehaltenen aus der Komfortzone gedrängt werden. Mit dem unkontrollierten Migrantenzustrom unter den Augen der Bundesregierung war der Rubikon endgültig überschritten. Seither heißt es "Fake News" gegen "Lügenpresse", wobei insgesamt gesehen keine Seite eine souveräne, geschweige denn vertrauenswürdige Figur macht - weder der enthemmte "Qualitätsjournalismus" auf Hexenjagd, noch aufgebrachte Bürger, die ihre seriöse Kritik und durchaus Informatives leider Gottes auch mit indiskutablen Beleidigungen und Unterstellungen verwässern. 

Es ist höchste Zeit, dass der propagierte Qualitätsjournalismus sowohl in gedruckter Form als auch in den Fernseh- und Rundfunkanstalten seinem Namen gerecht wird. Ernst gemeinte Demokratie lebt von einer Diskussionskultur, die dazu einlädt, verschiedene Meinungen und Einschätzungen gleichberechtigt im Dialog vorzutragen. Solange eine tendenziöse Berichterstattung und eben solche Fernsehformate zugunsten einer Meinungsdoktrin vorherrschen, ist die Entzweiung der Gesellschaft nicht aufzuhalten. Auch hat die Vierte Gewalt eine Kontrollfunktion gegenüber der Politischen Klasse inne, die allerdings nur verlässlich wahrgenommen werden kann, wenn man Distanz wahrt, sich nicht mit dem Gegenüber gemein macht.

Es gilt einiges zu überdenken und gerade zu rücken in der Bundesrepublik Deutschland, wollen wir unsere so großartig konzipierte Demokratie neu erstrahlen lassen.

Andreas Reinhardt / Beitrag v. 07.03.17

 

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