Verstandanteportas

Der stetige Kampf zwischen innerer Vernunft und gesellschaftlicher Unvernunft

Wo der Geist der Aufklärung, Vernunft und individuelles Selbstvertrauen vorherrschen müssten, sind diese allzu häufig ausgesperrte Zaungäste. Meinungsapostel aus Politik und Medien sprechen gerne und reichlich von allgegenwärtiger Meinungsfreiheit, während sie diese gleichzeitig ächten, sobald vom Pfad der verordneten Gesinnung abgewichen wird. Dabei liegt der Schlüssel für ein gedeihliches prosperierendes Miteinander doch in jedem selbst verborgen.

Doch die Fähigkeit seine innere Stimme zu vernehmen, an ihr zu wachsen und ihr zu folgen wird von einem Faktor heute mehr bedroht, als je zuvor in der Menschheitsgeschichte: von der Schnelllebigkeit unserer ruhelosen Zeit, ergänzt um latent aufgezwungenen Erfolgsdruck und zerfallende Familienstrukturen. Der Pfad zur Erkenntnis ist ein zunehmend steiniger. Auf dem Weg durch die verschiedenen Bildungsinstitutionen und im täglichen Arbeitsumfeld lernt man zudem, negative Vorurteile, Lüge, Vorteilsnahme und Denunziation nicht als Tabus wahrzunehmen, sondern als schützende Rüstung im Kampf um den Selbsterhalt. Nicht selten werden angeborene Talente dabei negiert, Bescheidenheit und Rücksichtnahme gar zur Schwäche degradiert. Weitverbreiteter Alkoholismus und sonstige Süchte nebst psychischen Erkrankungen sind verlässliche Gradmesser für die unzähligen gebrochenen Seelen, die hilflos zurückbleiben - jeden Tag.

Unaufhörlich dreht sich das Hamsterrad unserer konsumtrunkenen Gesellschaft weiter. Das Denken in möglichst übersichtlichen Schubladen ist Voraussetzung. Schon wer mehr wissenschaftliche Wahrhaftigkeit im Umgang mit dem eigenen geschichtlichen Erbe oder mehr nationale Souveränität anmahnt, findet sich im Handumdrehen in einer rechtsnationalistischen Schublade wieder. Wer einen konsequenten Widerstand gegen entmenschlichte Profitgier einfordert, wird ebenso schnell in eine wirtschaftsfeindliche und neidmotivierte linke Schublade verbannt. Es ist das unheilvolle Prinzip der Simplifizierung.

Das Königreich Preußen fand einen Ausgleich zwischen innerer Vernunft und gesellschaftlichen Anforderungen, als es die europäische "Aufklärung" begründete, bereits Jahrzehnte vor Diderot und Voltaire. Damit trug man der Tatsache Rechnung, dass die in unzähligen Hinrichtungen, Krisen, Schlachten und Kriegen umgekommenen Menschen nicht etwa der Vernunft, sondern Ideologien und Vorurteilen zum Opfer gefallen waren. Doch wenn Johann Wolfgang von Goethe die Welt von heute betrachten könnte, so würde er vermutlich unverändert die selben Worte wählen wie schon zu seinen Lebzeiten:

'Von der Vernunftshöhe herunter sieht das ganze Leben wie eine böse Krankheit aus und die Welt einem Tollhaus gleich.' 

Nichtsdestotrotz, auch wenn die Manipulierbarkeit eines Menschen mit schwindendem Selbstbewusstsein und bei verweigerter eigener Denkleistung zunimmt, so lassen sich doch niemals alle Menschen vom Weg der Vernunft, der Spiritualität und der Erkenntnis abbringen. Es gibt solche, die sich weder blenden lassen, noch die wahren Tugenden wie Ehre, Moral und Anstand aufgeben oder je aufgeben werden. Sobald sich solche Menschen erkennen und gemeinsam handeln - und derer gibt es zweifelsohne viele - kann ein auf die Art gelebter ziviler Ungehorsam eine gesellschaftsrelevante reinigende Wirkung entfalten. Schließlich gelang das mit umgekehrten Vorzeichen zuvor auch den Kräften der Unvernunft und des Zwiespalts ...

Andreas Reinhardt / Beitrag v. 01.04.17

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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