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Bram Stokers „Dracula“ - eine Homage an die Epoche der Romantik

Unsere rastlose Zeit, die auf atemlose Geschwindigkeit, Erreichbarkeit und Innovation setzt, macht auch vor Leinwand und Literatur nicht halt. Schnelle Schnittfolgen und Effekthascherei hier, fantasielose deja vu Erlebnisse und konstruierte Handlungsstränge dort - gerne noch dem herrschenden Zeitgeist untergeordnet.

Wie wohltuend ist es da, von Zeit zu Zeit zum literarischen Original zurückzukehren. Bram Stoker hat uns mit seinem Werk "Dracula" aus dem Jahr 1897 ein literarisches Meisterwerk hinterlassen. Und nicht nur Freunde des Horror-Genres kommen auf ihre Kosten, auch wenn die detaillierte Beschreibung des untoten Grafen und seiner drei diabolischen Nymphen die viktorianische Leserschaft um den Schlaf gebracht haben dürfte.

Nein, dieses Werk bietet viel mehr. Es ist eine vorzügliche Homage an die Epoche der Romantik, die bei Veröffentlichung des Romans bereits ausgeklungen war. Es vereinen sich darin sprühende Fantasie, zu bestehende Abenteuer gegen übermächtige Gegner und fesselnde Reisebeschreibungen fremder Ortschaften, Menschen und der wilden Landschaft Transsylvaniens. Es ist ein Stoff, dessen Darbietung in Form von Tagebucheintragungen, Zeitungsartikeln, Briefen und Phonographaufnahmen den Leser abwechselnd schaudern, mitfiebern und innehalten lässt.

Das moderne Zeitalter der Industrialisierung trifft auf die in Vergessenheit geratende Welt des späten Mittelalters und der mächtigen Fürsten mit ihrer Geschichte und ihren Traditionen. Insbesondere in Person des Grafen Dracula und des Gelehrten Dr. van Helsing stehen sich diese Weltanschauungen unversöhnlich gegenüber. Doch entgegen dem sonst in der Romantik gängigen Motiv einer Gefahr durch Fortschritt und Innovation, inszeniert Stoker den Repräsentanten vergangener Zeiten als Ausgeburt des Bösen. Am Ende lassen die irdische Liebe zwischen Mann und Frau sowie Gottvertrauen die Mächte des Guten über die des Bösen triumphieren. Selbst Graf Dracula erfährt die langersehnte Erlösung.

Fazit: Mehr Facetten kann ein Roman nicht vereinen, und der hingebungsvolle feinsinnige Schreibstil regt die Sinne zusätzlich an. Ein Genuss von der ersten bis zur letzten Seite.

Andreas Reinhardt / Beitrag v. 05.04.16

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