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„Die drei Musketiere“ – Mit Humor und Spott gegen Machtwahn und Glaubensfanatismus

Angesichts der um Korrektheit bemühten und entsprechend verkrampften Ernsthaftigkeit, mit der Literatur den tatsächlichen und vermeintlichen Religionskriegen und -konflikten unserer Tage begegnet, würde die Beimischung von Ironie und Spott, ganz zu Schweigen von Humor, gegenwärtig wohl einem blasphemischen Akt gleichkommen.

Bereits Chaplins „Der große Diktator“ von 1940 hatte im Nachgang Generationen mit der Frage beschäftigt, ob man den menschlichen Abgründen mit Humor begegnen dürfe.

Doch, oh Wunder, Alexandre Dumas hat es schon 1844 getan, mit seinem Werk „Die drei Musketiere“. Dabei wählte er für seinen Abenteuerroman das Jahr 1625. Wir erinnern uns, es war die Zeit des 30jährigen Krieges, eines Glaubenskrieges zwischen Katholiken und Protestanten, der fast ganz Europa in Mitleidenschaft gezogen hat. Landstriche und Länder wurden verwüstet und entvölkert. Um bis zu dreiviertel der Bevölkerung reduziert – erschlagen, verhungert, an Krankheiten gestorben oder durch Landflucht. "Der abenteuerliche Simplicissimus“ des Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen gibt ein anschauliches Beispiel von den entmenschlichten Bluttaten brandschatzender Söldnerheere.

Und doch lachen wir bis heute über die Abenteuer des ehrbaren D'Artagnan und seiner edlen Freunde Athos, Porthos und Aramis. Fehl am Platz und Grund für Schuldgefühle? Im Gegenteil, wie ich finde. Gerechtigkeitssinn, Tapferkeit und Humor sind Schild und Schwert der Menschlichkeit gegen Tyrannei und Fanatismus, wobei menschliche Schwächen durchaus ihren Anteil haben dürfen. Genau das beweisen die vier Romanhelden vom ersten bis zum letzten Kapitel.

So gut verschiedene Romanverfilmungen auch sein mögen - wobei ich persönlich die Authentizität und Intensität der Variante von Richard Lester aus dem Jahr 1973 hervorheben möchte - sind Wortwitz und Lebendigkeit der Romanvorlage unerreicht.

Hierzu ein Tipp: Der geneigte Leser möge sich ein altes Exemplar aus einem Antiquariat beschaffen. Es fällt auf, dass die Übersetzungen jüngeren Datums dem Original selten gerecht werden. Nichtsdestotrotz verstehen selbst diese noch zu begeistern.

Bereits auf den ersten Seiten wird so viel hintergründige und amüsante Handlung geboten, wie es sonst häufig einen ganzen Roman erfordert: Der Auftritt des leicht reizbaren D'Artagnan auf seinem altersschwachen gelblichen Gaul inmitten des Meunger Marktplatzes, der kaum mehr bei sich trägt, als ein Empfehlungsschreiben an den Hauptmann der Musketiere und den Rat seines Vaters: „Lass dir von niemandem etwas bieten, außer vom König, vom Kardinal und von Herrn von Tréville.“ - Das erste hitzige Aufeinandertreffen mit der wandelnden Klinge des intriganten Kardinals von Richelieu, Graf Rocheford, sowie mit dessen weiblichem Pendant Mylady Winter. - Seine erste Begegnung mit dem schweigsamen und gleichsam verletzen Athos, den er beinahe umrennt, mit dem prahlerischen Porthos, den er blamiert, und mit dem auf Diskretion bedachten Aramis, den er dem Spott Dritter aussetzt – alles kurz hintereinander und ungewollt, jedoch mit dem Ergebnis dreier anberaumter Duelle. Das unerwartete Resultat ist ein aufsehenerregendes Duell der Vier gegen die fünfköpfige Leibgarde des Kardinals in einem Karmeliter-Kloster.

Die Handlung nimmt ihren spannenden Verlauf, und es verwickelt sich eine abwechslungsreiche Intrige rund um die Liaison zwischen dem englischen Herzog von Buckingham und Anna von Österreich, hauptberuflich Gattin Ludwig XIII. von Frankreich.

Erwähnenswert sind zu guter Letzt noch die zahlreichen authentischen Orte der Handlung wie der Louvre (Königspalast) und die Bastille (Gefängnis) in Paris oder die befestigte Stadt La Rochelle als letzter Rückzugsort für die in Frankreich verfolgten protestantischen Hugenotten.

Insgesamt ein Lesegenuss. Bleibt mir nur auszurufen: „Einer für alle und alle für einen!“

Andreas Reinhardt / Beitrag v. 24.04.16

 

 

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